· 4,2k reads
Es scheint mir wieder an der Zeit, hier und da aufgestaute Gedanken aufzugreifen und zu kleinen Essays zu bündeln. Es sind auch nur Gedanken, damit eher philosophischer Natur und ich weiß natürlich, dass dies manchmal schwierig sein kann. Außerdem neige ich dazu, Metaphern zu verwenden und Gleichnisse lassen die Dinge entweder klarer erscheinen oder auch komplizierter… so ist das nun mal ;) --- #### Die neue Welt ist zunächst philosophischer Natur Wenn ich mir meinen Titel nochmals ansehe, dann ist klar – Ich bin der festen Überzeugung, wir brauchen eine neue Weltordnung und wir brauchen sie bald. Wir brauchen weniger Nationalstaat und mehr globale Zusammenarbeit – einzig die Frage nach dem **Wie** ist dabei das, worauf sich die sogenannte Weltgemeinschaft konzentrieren sollte. Ich habe es bereits erwähnt – dem Grunde nach ist das dann eine philosophische Debatte, denn es betrifft den inneren Zustand der Menschen mehr, als es Wirtschaft oder Klimawandel tun. Die Frage, was Menschen tatsächlich ‚wollen‘ und wie man dies geschickt in für *alle sozial verträgliche Bahnen* kanalisiert, ist der Grundstein der wirklich neuen Weltordnung. Außerdem ist das heimliche, eigentliche Ziel *m/einer* neuen Weltordnung auch bekannt, denn das war es schon immer – es ist etwas das man mit *Universal-Empathie* beschreiben könnte. Ich beginne aber einfach mit der Frage, auf welcher *Seite* man hier stehen möchte. Offensichtlich kann man entweder für eine nahezu absolute, individuelle Freiheit des Individuums einstehen oder man argumentiert, dass die psychologisch sinnvollere, vielleicht sogar menschlichere Variante eher eine Art Kollektivismus sein muss. So wie die Japaner immer schon meinten, dass ein Nagel, der heraussticht, eingeschlagen werden sollte. --- #### Freiheit ist ein immerwährender Kampf Ich weiß, dass die meisten unter Euch sehr wohl die sich global entfaltende Agenda in alternativen Medien beobachten und ein absoluter Gegner aller kollektiver Kontrollmechanismen sind. Ausgehend von einem freien, selbst bestimmten Individuum scheint mir diese Annahme auch zunächst recht logisch, aber ist sie auch tatsächlich die richtige Wahl? Fakt ist, die Menschen konnten noch nie mit einem *Mehr* an Freiheit umgehen – sie waren bis dato einfach nicht in der Lage ein System zu schaffen und zu erhalten, dass Freiheit in größerem Umfang dauerhaft konservierte. Stattdessen schwingt ein unsichtbares Pendel zwischen den Extremen, so dass bereits am ersten Tag erkämpfter Freiheit der Samen für dessen Schwinden, bis hin zum Verlust gelegt wird. Das Pendel beginnt sich sofort in Richtung systemischer Kontrolle zu bewegen – schleichend, unbemerkt, aber doch unaufhaltsam. Warum ist das wohl so? Liegt es lediglich daran, dass bisherige Systeme, Freiheit nicht entsprechend würdigten und demzufolge auch nicht schützten? Liegt es daran, dass es nur einiger Weniger bedarf, die sich quasi in die Nahtstellen der Macht eines Systems *hacken*, um es von innen heraus für eigene Zwecke umzugestalten und damit zu festigen? Oder liegt es an den Menschen selbst, die mit freiem Willen ausgestattet, sich jeden Tag aufs Neue die Frage stellen müssten, was sie wollen und was das Richtige zu tun wäre? Tatsächlich versagen die Menschen deutlich mehr an Letzterem, als dass es die wenigen Machthungrigeren unter uns sind, die die Freiheit unterminieren. Es scheint also der innere Zustand, der uns alles sein lassen könnte oder eben auch nichts. Mit Nichts ist dabei eher ein passiver Zustand gemeint, der wie eine Droge darauf erpicht scheint, einen bestimmten Zustand hervorzurufen – in diesem Falle einen Zustand fiktiver Balance, der gesellschaftlichen Antriebslosigkeit – ein Art psychologisches Equilibrium. Dieser innere Drang nach Gleichgewicht sorgt bei den meisten Menschen dafür, dass starke Veränderungen nur widerwillig angenommen werden und der Ist-Zustand Bestand haben muss, ja sogar regelrecht verteidigt wird. Natürlich ist das ein Widerspruch in Sich, denn das evolutionäre Leben ähnelt eher einem sich ständig verändernden Fluss aus all den gegenseitigen Abhängigkeiten, die das menschliche Miteinander und jede Form der Interaktion an unserer Welt mit sich bringen. Daher sind wir wohl auch nur Gefangene einer bestimmten Wahrnehmung. Diese Wahrnehmung sollte nach Möglichkeit dann ‚linear‘ verlaufen - oder besser, stringenter Natur sein. Ausnahmen unter den Menschen gibt es freilich auch genug, aber der ‚kreative Mensch‘, dem diese Form der Konformität nicht zu Eigen ist, scheint selbst unter besonders guten ‚systemischen Rahmenbedingungen‘ nicht in Scharen vorzukommen. Es bedarf aber gerade des Kreativen und einem gewissen *zerstörerischen Hang* um sich produktiv an die Änderungen des Lebens anzupassen… so sehr, dass ich behaupten möchte, dass die meisten Wissenschaftler nur die ‚Kleingeistigen Geschwister der Kreativen‘ sind und keinen echten Fortschritt ermöglichen. Und so kämpfen diese Freigeister auch einen schwierigen Kampf. Ihr freies Denken bringt den Fortschritt schließlich auch für all diejenigen, die nicht so sein wollen und können – sie erledigen also die undankbare Aufgabe, sowohl ihren eigenen Fortgang, als auch den aller anderen zu bestimmen und zu gestalten. Wie bereits erwähnt, die meisten Menschen leben und organisieren den Stillstand und haben dabei einen mehr oder weniger großen Tellerrand. Über diesen können sie einfach nicht hinausblicken. Dass was sie nicht verstehen, ist, dass die Menschheit als Ganzes nur eben keinen Tellerrand hat. Betrachten wir uns als *Gesamtpaket*, so gibt es nämlich keine ersichtlichen Grenzen. Um das intellektuell zusammen zu bringen, bedarf es eines geistigen Rüstzeugs, das man leider nicht einfach erwerben oder wie die berühmte Glühbirne anknipsen kann (sie möge in Frieden ruhen). --- #### Unsere Welt ist 'Oben Ohne...' Daher nochmals die Frage - Was wollen wir? Stillstand führt nachweislich zum schleichenden Tod und widerspricht allem, was wir über Leben zu glauben scheinen – Fortschritt bedeutet aber Umwälzung und dazu bedarf es einiger Weniger, die wiederum von der konformen Masse weder gefördert, noch gewünscht scheinen. So verwechseln die Menschen nicht zuletzt auch die kleinen Spielereien unserer wachstumsorientierten Konsumgesellschaft mit Fortschritt – dabei ist das auf ‚Makroebene‘ eher Fort*schrott*. So wenig wie wir exponentielles Denken im Blut haben, so wenig sehen die meisten, dass der Tellerrand nicht das Ende einer Scheibe sein kann, sondern vielmehr das Unbekannte, wonach wir streben sollten. Umwälzungen müssen also herbeigeführt werden und dabei spielt das ‚Ausgangssystem‘ eine entscheidende Rolle. Das System bestimmt, ob es eine Revolution von *Unten* oder von *Oben* begünstigt und es bestimmt auch die schöpferische Tragweite, die damit einhergeht… und ja, Vernichtung ist dabei gleichzeitig auch Schöpfung. Ich will damit nicht Vernichtung bewerten, aber ohne eine echte Neukombination – das lehrt uns vor allem auch die eigene Biologie – wird der Stillstand tatsächlich lebensbedrohlich. Menschen verstehen das in der Regel nicht, denn der besagte Kampf aus Gut und Böse – aus Konformität und Ausbruch – verfängt unsere Gedanken im Kleinklein. Das ist das Problem mit dem freien Willen… Man kann ihn nutzen, man kann ihn aber auch benutzen lassen. Wie ich schrieb - Revolution von Oben oder Unten. Was tun die Menschen denn aktuell? Wer sich auch nur wenig mit Geschichte, Geopolitik und auch Philosophie beschäftigt, der weiß, dass Nichts so scheint, wie es ist. Meine Realität ist niemals auch die Realität des Anderen. So, als wären wir alle vor Solaris gefangen. Jeder ist nur eine Person und damit ist ein jeder nur Maske. Gebannt verfolgen wir zusammen den Niedergang des jetzigen Systems. Wirtschaftlich und kulturell ist das Alte, vornehmlich westlich zentrierte System am Ende. Es war von Anbeginn so konzipiert und muss zwangsläufig kollabieren – es hatte quasi ein eingebautes Verfallsdatum, durch das es wie eine tickende Zeitbombe seinem ‚Umschwung‘ entgegen steuert. Verfall einzubauen, halte ich persönlich sogar für sehr sinnvoll, um die Menschen an Veränderungen zu gewöhnen. Wie der Übergang aussieht, ist der eigentliche Streitgegenstand. --- #### Du bist das System Dabei hat das System ohnehin schon eine unglaubliche Sogwirkung entwickelt. Dass dominierende Imperium der westlichen ‚Wertegemeinschaft‘ ist ein wahrlicher *Juggernaut*. Eine unaufhaltsam scheinende Kraft, die über den Erdboden wälzt und gleichzeitig aber doch mehr bringt als nur verbrannte oder verstrahlte Erde. Es ist eine kulturelle Waffe aus Propaganda und Dominanz. Wie ein jedes Imperium werden diese kulturelle Dominanz und viele aus dem System heraus geschaffenen Errungenschaften weiter bestehen und zu einem Teil der menschlichen DNS. Wir sind letztlich das System und damit sind wir es, die Schaffen und gleichzeitig Zerstören. Damit erschufen wir eine Projektionsfläche der Sehnsüchte, das oftmals von mir beschriebene Schaufenster, auf dem sich die Masken spiegeln. Es war einst die Zukunft, ein evolutionärer Schritt des Systems und jetzt wo es zusammenbricht, indem es sich ausdehnt und überdehnt, verwandelt sich die Anziehung in eine Art schwarzes Loch. Mächtig und den Erdball dabei mit sich drehend. Darum sitzen die Menschen an deren Peripherie auch so gespannt auf gepackten Koffern und warten auf die Zukunft! Nur dass die schöne neue, westliche Welt eben Bomben und keine iPhones bringt… wie könnte es auch anders. Aber auch dieses schwarze Loch birgt permanent Zeitfenster der friedlicheren Gestaltungsmöglichkeiten in sich. Die Geschichte hat diese nicht etwa geschlossen, denn auch dafür ist unsere Schaufenster-Propaganda mit ihrem Konsumterror als Ersatz für Nächstenliebe mitverantwortlich... wir könnten jetzt sofort durch eine der vielen Türen ‚hindurch schlüpfen‘ und schon ist es so, als hätte der Schrecken nie existiert. So funktioniert der Mensch ja... er vergisst nicht nur die beschriebene Freiheit sofort in Ihrer Entstehung, er vergisst vor allem auch die traurigsten Kapitel, um zu überleben. Er passt sich letzten Endes immer an und muss sich nur entscheiden, von wo der Druck ausgehen soll – ich schrieb es bereits, von Oben oder Unten. --- #### Kultur ist, was Kultur schafft Dabei zu behaupten, Kultur sei ein absolut festes Gut, dass niemals verändert werden dürfe, ist falsch. Kultur ist eher eine Art Basisidentität, vielleicht sogar im Zellgedächtnis verhaftet, aber diese Identität muss sich trotzdem mitentwickeln. Dafür braucht es mehr Verständnis von den Dingen jenseits des Tellerrandes, als dieselbe Suppe bis in alle Ewigkeit zu köcheln. Wir Menschen umspannen die Welt wie ein Schwarm, das haben wir schon immer getan und genau das schieben wir auch an, nicht nur technisch, sondern auch in Form von Vermischung und damit einhergehenden, fließenden Grenzen. Die Argumente derer, die das ablehnen, kann ich aus den zuvor genannten Gründen nachvollziehen, aber doch bleibt es unausweichlich. Die Menschheit in ihrem eigenen Wachstum, ihrem Streben nach Leben und Verlängerung desselben, schafft die bisher starr geglaubte Kultur ohnehin ab. Die Tatsache, dass wir unlängst 8 bis 10 Milliarden sein werden, führt von ganz allein dazu und schafft auch einen Druck auf die Ränder der jeweiligen Nationalstaaten. Wir kommen also um einen gewissen Austausch der Kulturen nicht herum. Ob man das nun forciert bzw. ob man dies von Oben beschleunigen lässt, oder nicht, ändert daran zunächst nichts. Wozu die Beschleunigung auf jeden Fall führen wird, ist die unweigerliche Abschaffung des Nationalstaates. Einst brauchte man diesen sogar, um gebündelt Fortschritt zu schaffen – indem man vereinheitlichte, regelte und organisierte. Es schien wie eine notwendige Bedingung, um Freiheit zu schaffen und verwandelte die übermäßig regional verhaftete Kultur in eine kollektivere. Haben die Menschen das damals so gewollt? Sie haben auf jeden Fall (zeitweise) davon profitiert. --- An dieser Stelle wird der Post erst einmal beendet - Gedankenhäppchen gibt es genug. Weitere Stichworte liegen aber bereits vor mir und kommen in einem weiteren Essay sicherlich zur Sprache^^ * Krieg - Auslöschung und Anpassung der Kultur * Automatisierung als Gleichmacher * Der begrenzte Verstand der Masse * Satanisch böse oder nicht * Was wenn der Mensch nie eine Wahl hatte So long, Edge
14 0 13